DAS LUXUS LEXIKON: Das Beste, was für Geld zu haben ist
Die Haarbürste
Dass das Schenken von Haar »eines der köstlichsten Liebesspiele« sei, wie Flaubert einst bemerkte, mag einem aus heutiger Sicht etwas übertrieben erscheinen. Aber die Energie, mit der die Kosmetikindustrie ihre entsprechenden Pflegeprodukte bewirbt, macht doch deutlich, dass schönes Haupthaar nichts von seiner erotischen Strahlkraft eingebüßt hat. Nur behält man es dieser Tage eben lieber auf dem eigenen Kopf, und zwar idealerweise in ordentlichem Zustand. An dieser Stelle kommt die Bürste ins Spiel - ein Instrument, das in Zeiten von fließend Wasser, Anti-Schuppen-Shampoo und Kur-Spülungen meist leider nur noch zum bloßen Frisieren verwendet wird. Tatsächlich aber kann das Bürsten nicht nur die Haarwäsche ersetzen es dient auch einer gesunden Kopfhaut und verschafft dem Haar mehr Glanz, indem die körpereigenen Fette bis in die Spitzen verteilt werden.
Das wiederum gelingt nur mit echten Qualitätsprodukten, und wer sich einigermaßen auskennt, verlangt nach Naturborsten. Haus- und Wildschwein sind dafür die klassischen Lieferanten, wobei Ersteres etwas verzärtelter ist, seine Borsten dementsprechend weicher als jene der undomestizierten Verwandtschaft. Die britische Firma »Kent«, seit dem Jahr 1777 mit der Kunst des Bürstenherstellens befasst, verwendet traditionell so genannte Chungking-Borsten vom chinesischen Hausschwein, die als besonders langlebig gelten. Bei Preisen von mehr als 200 Euro je Bürste darf der Kunde aber nicht nur Haltbarkeit erwarten, sondern auch Handarbeit: Weil die einzelnen Borstenbüschel aus jeweils unterschiedlich langen Borsten bestehen sollten, um besser ins Haar zu greifen, ist handwerkliche Präzision gefragt.
Vom ersten Arbeitsschritt an gerechnet, kann es bis zu 540 Stunden dauern, bis eine echte »Kent«-Bürste die Manufaktur in Hemel Hempstead verlassen darf, wobei die Zeit zum Trocknen des Holzes mal großzügig mit eingerechnet wurde. Ausgeliefert werden die borstigen Meisterwerke in eleganten Kartons, die eher an Schmuckschatullen erinnern. Dass »the world’s finest brushmaker«, wie »Kent« sich nicht ganz unbescheiden nennt, als ein Unternehmen mit leicht blasiertem Geschäftsgebaren gilt, muss man da wohl in Kauf nehmen.
Immerhin haben die Kentschen Facharbeiter schon König William IV. mit Zahnbürsten ausgestattet.
Im Internet:
www.kentbuersten.de
www.haarbuersten.com